Ganz persnlich
Vom Musiker zum Tofu-Macher - unter diesem Motto sprach Jeanine Tovar im August 2001 mit Bernd Drosihn, dem Geschftsfhrer und Mitgrnder von Viana Naturkost.
Viana stellt ausschlielich vegetarische Produkte aus Bio-Zutaten her. Essen Sie eigentlich selbst Viana Produkte?
Ich? Natrlich! Ich esse seit langem kein Fleisch und bin gerade deshalb ein absoluter Genumensch und groer Viana Fan.
Steht deshalb auf Ihrer Visitenkarte Le grand Tofu?
Genau!
Seit wann sind Sie Vegetarier?
Ein exaktes Datum kann ich spontan gar nicht sagen. Als ich Kind war, hie es Du isst was auf den Tisch kommt, aber schon damals habe ich nicht gern Fleisch gegessen und mich darum gedrckt. Ich hatte viel spter als junger Mann dann eine kurze Zeit als Tanzmusiker, da bekamen wir laut Vertrag pro Abend zustzlich zur Gage ein Zigeunerschnitzel mit Fritten. Das war damals der kulinarische Donnerschlag schlechthin und das habe ich dann mit den anderen Musikern gegessen. Ein kurzer Rckfall, den ich nach nur zwei Wochen mit einem verdorbenen Magen und Krmpfen bezahlen mute. Ich glaube, insgesamt esse ich jetzt schon seit ber 20 Jahren berhaupt kein Fleisch mehr und seit einiger Zeit auch kaum noch andere tierische Produkte wie Kuhmilch oder Kse.
Ist das auf Dauer gesund, was sagt ihr Arzt dazu?
Das ist super optimal, ich bin gesund und fit und habe, obwohl ich etwas zu wuchtig bin ( 75 Kg bei 1.80 cm ), einen Gesamtcholesterinwert von 130. Mein Arzt ist da ganz zufrieden mit mir und staunt nicht schlecht, wenn er meine Werte mit denen seiner anderen Patienten vergleicht.
Was haben Sie eigentlich gemacht, bevor Sie 1988 Viana gegrndet haben?
Ich hatte ein Musikstudium angefangen und arbeitete als Musiker. Davon konnte ich recht schnell leben. Anfang der 80er Jahre habe ich dann zusammen mit 8 anderen jungen Menschen eine der ersten deutschen Tofureien namens Soyastern gegrndet. Wir waren damals ein echtes Kollektiv der Spt Hippie ra und wollten die Welt mit vegetarischer Kost ndern.
Welches Instrument spielten Sie?
Studiert habe ich Klarinette und Komposition an der Musikhochschule Kln und gearbeitet habe ich meist als Saxofonist und Background Snger.
Waren Sie Popmusiker?
Das klassische Musikstudium habe ich nach einigen Semestern abgebrochen. Ich habe von Punk ber Rock und Reggae bishin zur Tanzmusik alles mgliche gemacht! Damals war ich ein extrem unruhiger junger Mann mit viel Tatendrang.
Was waren die wichtigsten Stationen Ihrer Musiker-Laufbahn?
In den frhen 80er Jahren habe ich im Orchester vom Circus Roncalli gespielt, in einigen Big Bands, in Punk-Bands, Jazz Bands und ganz vielen anderen Bands meist Pop. In London habe ich z.B. beim Musical Jesus Christ Super Star im Orchester gespielt.
Gibt es bekannte Aufnahmen, auf denen Sie zu hren sind?
Damals habe ich wie bei super vielen Reggae-, Pop- und Punk-Bands gespielt. Vielleicht kennen Sie die englische Band Pig Bag. Wir hatten einen Hit Anfang der 80er Jahre.
Wie sind Sie dann zum Tofu-Machen gekommen?
In den Zeiten als Musiker bin ich sehr viel gereist. Ein Job brachte mich nach New York und ich wohnte in Greenwich Village und dort habe ich dann das erstemal Produkte aus Tofu kennen gelernt. Sie waren ganz bunt und fantasievoll verpackt. Als Vegetarier fand ich das sehr interessant. Wieder in Kln kam ich in Kontakt zu der bereits erwhnten Gruppe von Leuten, die sich mit dem Aufbau einer Tofuproduktion beschftigten. Da bin ich eingestiegen, in der Woche haben wir mit der Herstellung von Tofu experimentiert und am Wochenende habe ich weiter mit Musik mein Geld verdient. Irgend wann hat der Tofu dann die Oberhand gewonnen.
Was wrde ein Asiat zu Ihrem Tofu heute sagen, gibt es Unterschiede bei der Herstellung und dem Geschmack zwischen West und Ost?
Ja, da gibt es extreme Unterschiede. Einen gerucherten Tofu, der in Europa sehr gefragt ist, finden die Asiaten uerst merkwrdig. Insgesamt mgen die Asiaten den Tofu sehr viel weicher in der Konsistenz. Dort wird er berwiegend in Suppen gegessen oder leicht paniert und frittiert. So weich und wabbelig mgen ihn wiederum die Europer nicht. Hier wird er lieber zum Braten verwendet. Die Herstellungsschritte sind in Ost und West die gleichen, aber was Konsistenz und Geschmack angeht, orientieren wir uns mit unseren Produkten klar am europischen Gaumen.
Wrden Sie sich selbst als ambitionierter Hersteller vegetarischer Bio Produkte als berzeugungstter bezeichnen?
Ja stimmt sicher, aber viel eher noch als sanften Rebell. Beim Beginn unserer Tofu Produktion in den 80er Jahren hatten wir mit ganz erheblichen Widerstnden zu kmpfen. Damals war das ein vllig unbekanntes Produkt. Das gab ohne Ende Trouble mit den Lebensmittelbehrden, die gar nicht wussten, wie sie so etwas einordnen sollten. Viele mter haben, dank ihrer Scheuklappen, Tofu damals schlicht als nicht verkehrsfhig eingestuft, weil sie das Produkt nicht kannten und noch dazu konnte kein Beamter Tofu fehlerfrei schreiben. Wir bekamen immer wieder die Produktion von Tuffo, Torfu und sogar Tartuffo verboten. Und auch fr Banken waren wir als wilde Truppe von 9 Leuten etwas vollkommen Auergewhnliches und Undenkbares. Wir sind damals in die Volksbank Siegburg gegangen und wollten nichts anderes als nur ein Konto erffnen. Der Bnker hrte sich sehr tapfer unser Anliegen an, wurde bleich, stand auf, verlie den Raum und kam nie wieder. Na ja, es war jedenfalls einiges an eigener berzeugung und auch an Durchhaltevermgen notwendig. Man brauchte und braucht viel Spucke und viel Mut um in Deutschland vegetarische Produkte einzufhren, aber es ist notwendig den sie machen unsere Welt jeden Tag ein bichen besser.
Tofu produzieren und vertreiben Sie bis heute. Er ist aber mehr und mehr zum Ausgangsprodukt fr ganz neue Produktentwicklungen von Viana geworden. Was sind das fr Produkte, die Sie in den letzten Jahren entwickelt haben?
Viana wurde 1988 gegrndet. Damals gab es bereits in jeder greren Stadt Biolden, es entwickelte sich langsam ein Markt fr gesunde vegetarische Produkte. Bei Viana begannen wir, auf der Grundlage von Tofu und Seitan (Weizeneiwei) neue innovative Produkte wie vegetarische Brotaufstriche oder Snacks, die einen leichteren Zugang zum Kunden haben, zu entwickeln. Der nchste logische Schritt in der Produktentwicklung waren dann vegetarische Fleischalternativen, wie Tofu-Gemse-Schnitzel oder Tofu-Knackern und Alternativen zur Kuhmilch, wie Reis- oder Sojadrinks. Solche Produkte sind an den Ernhrungsgewohnheiten von uns Europern orientiert. Sie ermglichen es, den Konsum tierischer Fette und Eiweie zu reduzieren, ohne beim Verbraucher das Gefhl von Verzicht zu erzeugen oder eine Haltung von Askese vorauszusetzen. Ganz im Gegenteil, unsere Produkte sind eine tolle Abwechslung vom immer gleichen Einerlei. Unser Ziel heute ist: Voller Genuss und Geschmack fr alle Menschen, die weniger Fleisch essen wollen.
Wie sehen denn die typischen Kufer von Viana-Produkten aus?
Manche Studien beschreiben sie als Teilzeitvegetarier. Es sind ganz normale Konsumenten, die ab und zu schmackhafte Alternativen zu ihrer tglichen Portion Fleisch suchen. Der Wunsch weniger Fleisch zu essen ist stark verbreitet. Und das ist auch vernnftig, denn der Fleischkonsum ist bei uns viel zu hoch und immer mehr Menschen kommen zu der Erkenntnis, das dass nicht gut fr ihre Gesundheit sein kann. Diesen Menschen bieten wir leichte Einstiegsmglichkeiten in eine gesndere, abwechslungsreichere und leckerere Ernhrung.
Haben Sie damit Erfolg?
Ja, das Bedrfnis weniger Fleisch zu essen ist seit Jahren stark steigend. Und nicht erst seit der BSE-Krise! Unsere Kunden haben uns diesen Erfolg ermglicht und wir sind dankbar, dass wir jeden Tag Auftrge aus ganz Europa bekommen.
Welche gesundheitlichen Vorteile hat eine primr pflanzliche Ernhrung?
Ein wichtiger Vorteil liegt darin, bei einer Mahlzeit z.B. mit Viana-Produkten berhaupt keine tierischen Fette zu sich zu nehmen. Tierische Fette sind leider extrem ungesund und Ursache vieler Probleme. Sojaeiwei hingegen sorgt sogar fr den Abbau des schdlichen LDL-Cholesterins. Schon der gelegentliche Verzehr von Tofuprodukten bringt eine Senkung des Infarktrisikos. Laut DGE ist die Senkung des Cholesterinspiegels der allerbeste Schutz vor dem Herzinfarkt, leider der Haupt-Todesursache in Deutschland. Bereits ein nur um 1% geringerer Cholesterinspiegel senkt das Infarktrisiko um 2,5%. Mit Viana ist das berhaupt kein groes Problem. Viana Produkte enthalten nicht nur berhaupt kein Cholesterin, sondern Dank Soja alle essentiellen Aminosuren und eine Menge anderer wichtiger Stoffe wie z.B. Isoflavone. Der zu hohe Konsum von tierischen Fetten und Eiweien ist nicht nur der entscheidende Faktor fr den hohen Anteil an Herz-Kreislauferkrankungen in unserer Gesellschaft. Auch das Krebsrisiko steigt durch den ungebremsten Verzehr von Fleisch und tierischen Fetten. Essen Sie mehr pflanzliche Weizen- und Sojaprodukte, dazu natrlich Salate und frisches Gemse und gengend Ballaststoffe. Gemeinsam mit regelmiger Bewegung ist das die beste Lebensversicherung. Mehr Lebensqualitt durch Pflanzenkost, sie fhlen sich einfach wohler und sind auch im Alter leistungsfhiger und lebensfroher.
Glauben Sie, dass die Deutschen tatschlich langfristig weniger Fleisch essen werden?
Davon bin ich berzeugt. Viana bemht sich jedenfalls aktiv darum. Unsere Produkte mssen besser und leckerer sein als Fleisch, dann lufts von ganz alleine. Viana leistet da mehr berzeugungsarbeit als jeder gut gemeinte Vortrag oder jedes gut gemeinte Buch ber die Folgen des Fleischkonsums. Entwicklungen in Deutschland sind immer etwas langsamer als in anderen Lndern aber letztendlich kommen auch wir um eine signifikante Senkung des Fleischkonsums nicht herum.


